| Neuigkeiten zu erfahren und diese mit möglichst vielen
Sinnen wahrzunehmen, gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen
der Menschen. Heute gestatten hochentwickelte Medien wie Rundfunk, Fernsehen
und Videotechnik, sich schnell und umfassend über aktuelle Ereignisse
zu informieren und weitentfernte Geschehnisse unmittelbar mitzuerleben.
Die Informationsmöglichkeiten in der Vergangenheit sahen ganz anders
aus. Schausteller zogen durch das Land und unterhielten mit ihren Vorstellungen
das Publikum auf vielfältige Art und Weise. Manche Schausteller benutzten
als besondere Attraktion optische Instrumente wie die Laterna magica oder
den Guckkasten. Diese magischen Kästen dienten der allgemeinen Bildvermittlung
und enthüllten bis dahin gänzlich unbekannte Welten. Die optische
Wahrnehmung hat von jeher eine wichtige Rolle bei der Erfahrung der Welt
gespielt. |
|

|
Bereits seit dem Ende des Mittelalters war es der Traum von
Künstlern als auch Forschern, die optischen Beobachtungen so dauerhaft
und wahrheitsgetreu als möglich im Bild festzuhalten. Das ursprüngliche
Instrument zur Abbildung der Wirklichkeit ist die Camera obscura, deren
Prinzip bereits Aristoteles um 400 v. Chr. bekannt war: Fällt durch
eine kleine Öffnung Licht von außen in einen völlig abgeschlossenen
dunklen Raum, so wird bei richtiger Dimensionierung die Außenwelt
kopfstehend und seitenverkehrt auf der gegenüberliegenden Wand des
Raumes abgebildet. Die Qualität der optischen Abbildung wurde durch
die nachfolgende Einführung von geeigneten Linsen und Spiegeln kontinuierlich
verbessert. |
| Mit der Entwicklung tragbarer Instrumente wurde die Camera
obscura zu einem beliebten Hilfsmittel für Zeichner und Maler. Auch
zahlreiche Gelehrte benutzten sie für ihre naturwissenschaftlichen
Forschungen. Die Camera obscura erfreute sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts
hinein großer Beliebtheit. Wird die Zeichenfläche (Mattscheibe)
der Camera obscura durch ein lichtempfindliches Material ersetzt, wird aus
der Camera obscura eine Lochkamera, der Vorläufer unserer heutigen
Fotoapparate. Während die Camera obscura das Festhalten der Natur auf
einem Stück Papier ermöglicht, ist der Guckkasten ein Instrument
zum Betrachten der festgehaltenen Bilder. Beide Vorrichtungen ergänzen
einander. Sowohl die äußere Form als auch der optische Strahlengang
legen eine Verwandtschaft nahe. Die Guckkästen fanden in der Anfangszeit
vornehmlich auf Marktplätzen, Jahrmärkten und Volksfesten durch
wandernde Guckkastenmänner ihr neugieriges Publikum. |
 |
 |
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog sich
jedoch ein Wandel und der Guckkasten hielt als geeignetes Instrument für
den gewachsenen Bildungsanspruch des Bürgertums ebenso Einzug in die
bürgerlichen Haushalte. Die zunehmende Verbreitung des Guckkastens
erzeugte einen enormen Bedarf an Bildern, die mit diesem Instrument betrachtet
werden konnten. |
| Die europäischen Kupferstecher und Kunstverlage reagierten
sehr schnell auf diese Nachfrage und passten sich dem sich entwickelnden
Markt an. Als Radierungen, Kupferstiche und später auch Lithographien,
nach älteren und zeitgenössischen Vorlagen gefertigt und meist
von Hand in wenigen Farben kräftig koloriert, kamen sie seit der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts als Gebrauchs- und Verbrauchskunst in beträchtlichen
Mengen auf de Markt, Guckkastenbilder sind enge Verwandte der nach strengen
perspektivischen Regeln angelegten wirklichkeitsgetreuen Ansichten von Städten
und Landschaften, den sogenannten Veduten Auch Szenen aus fernen Ländern,
ruhmreiche Schlachten, Katastrophen und biblische Geschichten fanden das
Interesse des Publikums, das spannende Neuigkeiten zu erfahren hoffte. |
|
 |
Durch die Anwendung spezieller Lichteffekte erhielten die
Guckkastenbilder einen besonders faszinirenden Reiz. So wurden Bilder mit
partiellen Transparenteffekten hergestellt, indem Fenster- und Türöffnungen,
Laternen u.ä. im Stic ausgeschnitten und mit farbigem Papier, seltener
dünnen Metallplättchen oder Seide, hinterlegt wurden. Mit einer
künstlichen Beleuchtungsquelle im Inneren des Kastens oder dem von
hinten farbig durchscheinenden Tageslicht konnten Abendstimmung, Festbeleuchtung
oder auchFeuersbrunst überzeugend vorgeführt werden. |
| Im ausgehenden 18. Jahrhundert erregten die Transparent- und
Mondscheinbilder, die auf lichtdurchlässigem Materialgemalt wurden,
ungeheures Aufsehen. Die optische Illusionskraft der Transparentbilder wurde
mit dem Aufkommen der Verwandlungsbilder weiter gIn Verbindung mit einer
gezielten Maltechnik wurden in Abhängigkeit von der Beleuchtung Bewegungsabläufe
vorgetäuscht. Die überraschenden Veränderungen wurden durch
Betrachtung im Durchlicht oder Auflicht sichtbar. Gemeinsam mit dem Guckkasten
übermittelte die Laterna magica, auch Zauberlaterne genannt, Bilder
und Informationen. Die Laterna magica ist eine einfache Vorrichtung zur
Projektion transparenter Bilder mittels künstlicher Lichtquellen und
damit der Vorläufer der modernen Diaprojektoren. |
|
 |
Die Zauberlaterne ist aus der Camera obscura hervorgegangen,
indem im ausgehenden 16. Jahrhundert statt der natürlichen, vom Tageslicht
erhellten Gegenstände gemalte durchscheinende Bilder außerhalb
der Camera obscura angebracht wurden. Vom hellen Sonnenlicht durchstrahlt
wurden diese im Inneren der dunklen Kammer abgebildet. Die Laterna magica
im eigentlichen Sinn wurde vermutlich durch den niederländischen Physiker
Christiaan Huygens im Jahre 1656 gefertigt. Ihre Wirkungsweise beruht wie
die des Guckkastens auf der optischen Umkehrung der Camera obscura. esteigert,
die insbesondere für das Polyorama panoptique, einem Guckkasten-Diorama
für den Hausgebrauch, von Bedeutung waren. |
| Im 17. und 18. Jahrhundert benutzten Geistliche die Zauberlaterne,
um den Teufel an die Wand zu malen. Magier beschworen mit ihrer Hilfe Geister
hervor. Die flüchtigen Trugbilder mußten dem unwissenden Betrachter
wie Zauberei erscheinen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Laterna
magica fast hauptsächlich in den Händen fahrender Künstler.
Das einfache Volk war vorwiegend ihr Publikum. Doch auch in bürgerlichen
Haushalten fanden Vorführungen mit der Laterna magica allmählich
Verbreitung. Das flackernde Licht der damals üblichen Öllampen
gab den Projektionen einen besonderen Reiz, reichte aber nicht aus, um ein
größeres Publikum zu erreichen. Erst mit der Weiterentwicklung
der Lichtquellen wurden Vorführungen in größerem Kreise
möglich. |
|
 |
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts fanden professionelle Projektionsabende
in eigens dafür eingerichteten Theatern statt. Die auf Glas gemalten
Bilder wurden speziell in England zu umfangreichen Serien ausgebaut, die
in Vorführungen mit Musikbegleitung und raffinierten Überblendungseffekten
heutige Kinoprogramme vorwegnahmen. Solche Abende boten reichhaltige Programme.
Wissenschaftliche Themen aus Astronomie, Zoologie, Geographie und Geschichte
wurden in den Bildern ebenso aufgegriffen wie zeitgenössische Ereignisse.
erbauliche Bildergeschichten und Märchen. Dabei waren die Übergänge
der Laterna magica als Bildungs- und Unterhaltungsmedium fließend.
|
| Sobald die Zauberlaterne für jedermann erschwinglich
war, hielt sie als Spielzeuglaterne Einzug in die Wohnstuben und Kinderzimmer.
Die Spielzeugindustrie erhielt von der Zauberlaterne starke Impulse. Märchen,
Bilderserien und bewegliche Bilder mit unzähligen Motiven sorgten für
die Unterhaltung der Kinder, aber auch für deren spielerische Erziehung
und Belehrung. Mit der Entwicklung und Verbreitung der Fotografie im 19.
Jahrhundert wurden die Vorführungen von Guckkasten- und Zauberlaternenbildern
nach und nach in den Hintergrund gedrängt, die magischen Kästen
verloren allmählich an Bedeutung. Zeichnungen und Glasbilder konnten
mit den wirklichkeitsgetreuen fotografischen Aufnahmen nicht mehr konkurrieren. |
|